Samstag, 25. Dezember 2010
Weihnachten
"Ist das Dogma 95?", frage ich Gottfried?
Gottfried weiss, was ein Dogma ist, ist aber historisch benachteiligt.
"1895? Keine Ahnung, was das für ein Dogma sein soll. Gibts hier nur eine Szene oder was?"
Aber hinter und erklingt schon wieder das laute Rattern des Super-8-Films und wir werden in ein weiteres Zimmer gedrängt.
"Gleiche Szene, diesmal im Kinderzimmer! Gleicher Text! Sina, sag wieder garnix, nimm die Schultern und die Augenlieder weiter runter! Noch eine Stufe depressiver! Hier, Georg, zeig Sina nochmal, wo sie die Schultern in der Wohnzimmerszene hatte!"
Großartig. Wir wandern durch das Haus, Zimmer für Zimmer, und spielen dieselbe Szene, wieder und wieder. Spucke und Blut spritzen aus den Mündern, Eiter aus dem vorderen Stirnlappen fließt über die Ohren aus.
Jedes Jahr. Gleiches Hause, gleiche Zimmer, gleiche Szene, gleicher Text. Weihnachten.

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Freitag, 13. August 2010
Vergessen
Manchmal vergesse ich, warum ich Menschen nicht mag (Und zwar nicht nur, weil sie auf der TaSTATUR DIE CAPSLOCK-TASTE NEBEN DIE sHIFT TASTE GELEGT HABEN9:. Weil sie gedankenlose Arschlöcher sind, die gerade weit genug mitdenken können, sich nicht stäntig selbst auf die Schuhe zu kotzen. Dafür aber anderen und dass natürlich auf Extraklasse.
Ich weiss nicht, wie Walter Benjamin sein Prinzip Hoffnung aufgebaut hat. Ohne Menschen? Irgendwann gibts überall ganz tolle Bäumen, auf denen Lutscher wachsen? (Ach so, nee, Lutscher wäre ja wieder mit Menschen.) Wer von anderen etwas erwartet, kann sich auch gleich selbst ins Gesicht treten. Oder alternativ Lotto spielen gehen, am besten Sechser mit Zusatzzahl, ist wahrscheinlicher. Die Trefferquote der Enttäuschung ist dagegen beeindruckend.
Ich soll mich nicht so aufregen, sagt Gottfried. Er hat genug Menschen enttäuscht und ist enttäuscht worden und den zweiten Weltkrieg haben wir trotzdem verloren. Abgesehen von dieser etwas eigenwilligen Geschichtsinterpretation tönt er eine glasklare Ansage in sein Bierglas: Man darf eben nichts erwarten.
Man sorgt für sich selbst, die anderen sind Beiwerk. Wenn man etwas braucht, bezahlt man dafür. Nix Hoffung, Geld. Und unerwartet kann ja auch etwas kommen: Vielleicht macht ja auch mal einer was Lustiges, wenn er betrunken ist. Oder er gibt ein Essen aus. Da sollte man sich nicht selbst beschneiden, indem man allen menschlichen Kontakt meidet wo nur möglich. Und vielleicht braucht dann doch einmal jemanden, der einem auf die Schuhe kotzt.

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Sonntag, 28. Dezember 2008
Schwerkraft
Ich nehme ja keine Drogen. Aber Gottfried beharrt darauf, es sei das Beste, um die Schwerkraft für ein Weilchen loszuwerden. Aus rein erkenntnistheoretischer Sich natürlich: Schwerkraft entsteht ja im Kopf. Und man verordnet sich einfach kurzzeitig einen Schwerkraftentstehungshemmer. So einfach ist das.
Wenn man oben auf dem Turm steht, schwerkraftenthemmt, könnte man auf die Idee kommen, hinunter zu springen. Hops, über den Rand, ganz ohne den lästigen Drang zum Boden. Aber natürlich auch ohne Konzept von oben und unten. Schon fast witzlos. Ich befürchte, man würde nicht einmal unten ankommen. Zumindest nicht bewußt.
Das Problem ist, wenn man kein Konzept der Schwerkraft mehr hat, bringt es nur noch wenig Spass, über den Rand zu spucken, wenn unten jemand vorbeigeht. Selbiges gilt für das Fallenlassen schwerer Gegenstände, wenn jemand an der Tür klingelt. Was aber auch nicht mehr so häufig passiert, seit vor der Tür die Überreste von Zusammenstößen mehrerer Klingler und ebensovieler randvoll mit potenzieller Energie geladener Ziegelsteine liegen. Macht aber nichts - wenn man lange genug wartet, wird es vor der Tür schon wieder frei. Alles braucht Zeit. Und dann macht die Schwerkraft auch wieder Spass.

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